Die gestuften Studiengänge in der Lehrerausbildung an der Westfälischen Wilhelms-Universität
In den kommenden Jahren werden entsprechend eines Abkommens der europäischen Bildungsministerkonferenz (Bologna, 1999) an vielen Hochschulen europaweit Bachelor- und Masterstudiengänge eingerichtet, um eine Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit des europäischen Bildungssystems zu erreichen. Bei den Bachelor- (BA) und Masterstudiengängen (MA) handelt es sich um gestufte Studiengänge, welche etwa die traditionellen Diplom- und Magisterstudiengänge hierzulande ablösen. Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) und die Fachhochschule (FH) Münster bieten im Rahmen eines Modellprojektes diese neuen Studiengänge bereits ab dem Wintersemester 2005/06 speziell für die Lehramtsausbildung an. Eine Einschreibung in herkömmliche Studiengänge ist an der WWU dann nicht mehr möglich.
Die Grundlage für ein auf das
Lehramt ausgerichtetes Studium sind polyvalente Bachelorstudiengänge, die von
allen Studierenden zunächst absolviert werden. Diese bieten außerhalb des
Lehrberufs an Schulen einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss nach einem
6-semestrigem Studium. Danach ist es also möglich, direkt ins Berufsleben
einzutreten oder wahlweise das Studium fortzusetzen, entweder in einem fachwissenschaftlich
ausgerichteten Masterstudiengang oder in einen speziell auf das Berufsfeld
Schule ausgerichteten Masterstudiengang. Die WWU bietet in verschiedenen
Modellen Zugangsmöglichkeiten für folgende Lehrämter und Schulformen:
- Lehramt an Grund-, Haupt- Real- und entsprechenden Jahrgangsstufen der Gesamtschule (GHRGe)
- Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen (GyGe)
- Lehramt an Berufskollegs (BK)
In Kooperation mit der Fachhochschule Münster werden Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten, die zur Befähigung eines Lehramtes an Berufskollegs führen.
Studienmodelle und Möglichkeiten im Überblick
In dieser Skizze werden zunächst die verschiedenen Studienabfolgen, die zu den Lehrämtern führen auf einem Blick vorgestellt.

Die einzelnen Wege zu den entsprechenden Lehramtsabschlüssen finden Sie auf weiteren Seiten in diesem Webbereich (siehe Menü auf der linken Seite!).
Besonderheiten gestufter Studiengänge und Studienabschlüsse
Inhaltliche Elemente
Bachelorstudiengänge
zeichnen sich vor allem durch einen starken Anteil fachwissenschaftlicher
Studienanteile aus. Das Studium vermittelt die wissenschaftlichen Grundlagen,
Methodenkompetenz und berufsfeldbezogenen Qualifikationen. In das Studium
integrierte Praxisphasen sind für diesen Studiengang obligatorisch. Ein Bachelorstudiengang
an der WWU sieht ferner sogenannte Allgemeine Studien vor, welche
insbesondere die folgenden Ziele verfolgen:
- Erwerb von berufsfeldorientierten Schlüsselqualifikationen
- Herstellung eines Praxisbezugs durch Praktika und Praxisphasen
- Anleitung zur Reflexion über wissenschaftliche Praxis
- Erste Elemente der Lehramtsausbildung für Studierende, die ein Lehramt anstreben
Zu den Schlüsselkompetenzen zählen: Kommunikations- und Teamfähigkeit, Präsentations- und Moderationskompetenzen, Fähigkeit zur Nutzung moderner Informationstechnologien sowie interkulturelle Kompetenzen und Fremdsprachenkenntnisse, um hier einige wichtige zu nennen.
In den Masterstudiengängen,
die direkt auf das Berufsfeld Schule hinauslaufen, stehen vertiefte Studien in
Erziehungswissenschaft und fachdidaktische Studienanteile im Vordergrund.
Angeleitete Praxisphasen im Masterstudiengang schaffen darüber hinaus eine
stärkere Verzahnung und Reflexion von Theorie und Praxis des Unterrichts und
der Schule. Eine so konzipierte Lehramtsausbildung strebt gleichsam eine
Wechselwirkung zwischen Subjektbezug (den der Studierenden), Wissenschaftsbezug
und Berufsfeldbezug der Schule an, um die Professionalität und die Persönlichkeitsentwicklung
angehender Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen und zu fördern.
Studienstrukturen
Das Studium der Bachelor- und
Masterstudiengänge ist gegliedert in sogenannte Module. Das sind
Studieneinheiten, die bestimmte Stoffgebiete inhaltlich und zeitlich zusammen
fassen. Module umfassen in der Regel 6 – 10 Semesterwochenstunden (SWS), die
sich über ein bis zwei Semester erstrecken können. Sie bestehen entsprechend
aus mehreren Lehrveranstaltungen, die inhaltlich aufeinander bezogen sind.
Module schließen in der Regel mit Prüfungen ab. Folglich werden Prüfungen in
den Studiengängen nicht mehr zum Ende des Studiums erfolgen, sondern die Modulprüfungen
werden kumulativ als Gesamtprüfung angerechnet. Mit einer Bachelor- bzw. Masterarbeit
am Ende des Studiums sind die Prüfungen in den Studiengängen abgeschlossen.
Wir möchten Ihnen hier ein weiteres neues Strukturelement vorstellen, weil mit ihm der Gesamtumfang des Studiums als auch der Studienumfang der Fächer sowie der Umfang weiterer Studienanteile errechnet wird (vgl. auch das Glossar). Künftig erfolgt nämlich die Anrechnung von Studienleistungen, sei es in Form von Hausarbeiten, Referaten, Praktkika, Anwesenheit etc. über die Anrechnung von Leistungspunkten (LP). Ein LP umfasst 25 - 30 Arbeitsstunden. Der Arbeitsaufwand (work load), der z.B. für die Anwesenheit im Seminar, für die Erstellung einer Hausarbeit, eines Referats und einer Präsentation oder auch die Durchführung eines Praktikums entsteht, wird in Form von Leistungspunkten (LP) berechnet.
Studienabschlüsse
Für gewöhnlich wird ein Studium der humanities (Geistes- und Kulturwissenschaften) mit den Studienabschlüssen Bachelor of Arts oder Master of Arts beendet, die Abschlüsse Bachelor of Science, Master of Science beenden namentlich das Studium der sciences (Naturwissenschaften). Dementsprechend wird nach erfolgreichem Abschluss des Bachelorstudiums der akademische Grad eines „Bachelor of Arts“ (B.A.), im Falle des Studiums naturwissenschaftlicher Fächer der Grad eines „Bachelor of Science“ (B.Sc.) verliehen. In den nachfolgend dargestellten Studienmodellen werden die Studienabschlüsse nach diesen Kürzeln benannt.
Erstes Staatsexamen
Parallel zum Master-Abschluss für eines der drei Lehrämter wird auf Antrag ein Zeugnis über die abgelegte Erste Staatsprüfung ausgestellt. Dies gewährleistet, dass der Lehrerinnen- und Lehrerberuf auch in einem anderen Bundesland als NRW ausgeübt werden kann.
Im Anschluss an die universitäre Ausbildungsphase beginnt dann ein zweijähriger Vorbereitungsdienst (Referendariat) im Ausbildungsseminar und an der Schule. Am Ende des Vorbereitungsdienstes erhalten Sie mit Abschluss des Zweiten Staatsexamens die Lehrbefähigung für den Schuldienst.

