Forschungsbericht 1999-2000   
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- Allgemeine Kinderheilkunde -
Pädiatrische Nephrologie

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Fachbereich 05 - Medizinische Fakultät
Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde - Allgemeine Kinderheilkunde -
Pädiatrische Nephrologie
 


Bartter-/Gitelmann-Syndrom

Das Bartter- und Gitelmann-Syndrom sind die wichtigsten Ursachen eines angeborenen Salzverlustes. Ursächlich beruhen die Erkrankungen auf der Mutation von Transportkanälen in den Tubuluszellen der Niere. Beim Bartter-Syndrom unterscheidet man 3 Typen, je nach gestörtem Kanaltransporter: Luminaler Natrium-Kalium-2 Chlorid-Cotransporter im dicken Schenkel der aufsteigenden Henle'schen Schleife (= antenatales Bartter-Syndrom Typ I), luminaler Kaliumkanal (= antenatales Bartter-Syndrom Typ II), basolateraler Chloridkanal (= klassisches Bartter-Syndrom Typ III). Die Folgen des Natriumverlustes beim Bartter-Syndrom sind Polyurie, Dehydratation, Wachstumsretardierung, gefolgt von Stimulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systemes mit Ausbildung einer sekundären Hypokaliämie und Alkalose sowie die Steigerung der Prostaglandinsynthese. Die bisherige Therapie des Bartter-Syndroms bestand neben der Kaliumsubstitution aus dem Einsatz des nicht selektiven Cyclooxygenaseinhibitors (COX) Indomethacin. Die Therapie ist mit einer hohen Nebenwirkungsrate bis hin zur Entwicklung einer terminalen Niereninsuffizienz behaftet. Es konnte gezeigt werden, dass mehr der Pathophysiologie der von Funktionsstörungen betroffenen Tubuluszellen folgend mit einer an die fraktionelle Natriumexkretion angepasste Kochsalzsubstitution es gelingt, die Volumenkontraktion beim Bartter-Patienten zu beseitigen und den Hyperaldosteronismus zu beheben. Konsekutiv kommt es zu einem Anstieg der Serumkaliumwerte und das Körperwachstum beginnt sich zu normalisieren. Bei einigen Patienten reicht diese hochdosierte Kochsalzsubstitution für die positive Beeinflussung des Krankheitsbildes nicht aus. Bei diesen Patienten gelingt es jedoch, durch Einsatz des selektiv wirkenden COX 2-Inhibitors Rofecoxib dann die Prostaglandin-Sekretion und den Aldosteronserumspiegel zu normalisieren. Eine Beeinflussung des stimulierten Reninsystems ist nicht möglich.

Auch das Gitelmann-Syndrom bedingt aufgrund der Störung der Natriumchloridreabsorption im distalen Tubulus eine Volumendepletion, einen sekundären Hyperaldosteronismus mit Ausbildung einer Hypokaliämie und Alkalose. Es besteht eine Hypomagnesiämie und Hypokalziurie. Die Reninsekretion ist stark gesteigert, der Blutdruck erniedrigt. Die bisher geübte Therapie in Form der ausschließlich hochdosierten Kaliumsubstitution und Korrektur der Alkalose führt bei diesen Patienten zu keiner zufriedenstellenden Regulation der Elektrolyt- und Volumenimbalanz. Auch hier gelingt es mit einer der Pathophysiologie angepassten Kochsalzzufuhr (individuell gesteuert entsprechend der fraktionellen Natriumexkretion), unterstützt durch eine mäßige Kaliumsubstitution die Stabilisierung der Serumkaliumwerte im unteren Normbereich, die Normalisierung des Volumenhaushaltes sowie die Absenkung des Aldosteronserumspiegels und (im Gegensatz zum Bartter-Syndrom) auch des Renin-Spiegels zu erreichen.

Beteiligte Wissenschaftler:

Dr. R. Kleta, Dr. C. Basoglu, Dr. E. Kuwertz-Bröking, Dr. St. Fründ, Dr. T. Frevel, Dr. I. Cetinkaya, Dr. H. Rabe, Prof. Dr. M. Bulla

Veröffentlichungen:

Kleta, R., C. Basoglu, E. Kuwertz-Bröking: New Treatment options for Bartter's syndrom, Letter to the Editor, New. Engl. J. Med. 343 (9), 661-662, 2000

Kleta, R., M. Weber, C. Basoglu, St. Fründ, E. Kuwertz-Bröking, P.G. von der Hehn, M. Bulla: Gitelman syndrome and pregnancy, J. Am. Soc. Nephrol. 11, 107 A, Abstract A 0578, 2000

Kleta, R., T. Frevel, I. Cetinkaya, C. Basoglu, H. Rabe, M. Bulla: Physiological treatment of Gitelman syndrom, J. Am. Soc. Nephrol. 11, 107 A, Abstract A 0579, 2000

Kleta, R., C. Basoglu, T. Frevel, St. Fründ, E. Kuwertz-Bröking, M. Bulla: Physiological treatment of Bartter syndrome, J. Am. Soc. Nephrol. 11, 107 A, Abstract 0580, 2000

 
 
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Datum: 2001-07-12