| Forschungsbericht 1999-2000 | |
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Umweltprobenbank für Human-Organproben und Datenbank Domagkstr. 11 48143 Münster Tel. (0251) 83-56065 Fax: (0251) 83-55524 e-mail: kemperf@uni-muenster.de WWW: http://www.uni-muenster.de/UPBHum Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. F.H. Kemper |
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Forschungsschwerpunkte 1999 - 2000
Fachbereich 05 - Medizinische Fakultät Umweltprobenbank für Human-Organproben und Datenbank Umweltinformationssysteme | |||
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Die Umweltprobenbank für Human-Organproben Münster
Die Umweltprobenbank für Human-Organproben Münster (UPB-Hum) ist
Teil der Umweltprobenbank des Bundes, in der Umwelt- und Humanproben
gesammelt, auf umweltbezogene Stoffe untersucht und bei tiefer Temperatur gelagert
werden, damit sie jederzeit in unverändertem Zustand verfügbar sind. Die
UPB-Hum ist im Haushalt des BMU unter der Aegide des Umweltbundesamtes Berlin
logistisch in die Medizinischen Einrichtungen der Westfälischen
Wilhelms-Universität als selbständige Institution eingebunden. Die
Umwelteinflüsse auf den Menschen, die in der persönlichen Belastung
erkennbar sind, werden in der Umweltprobenbank für Human-Organproben nach
entsprechender standardisierter Gewinnung durch analytische Untersuchungen und in
der Dokumentation des individuellen Lebens festgehalten und dann zusätzlich
unter verlässlichen Bedingungen für eine spätere Nutzung
aufbewahrt. Unter strenger Gewährleistung des Datenschutzes werden
Informationen zur Probenbeschreibung der Human-Organproben einschließlich
der Analysenwerte in der angegliederten Datenbank verwaltet und wissenschaftlich
ausgewertet. Die Untersuchungen der Umweltprobenbank für
Human-Organproben dienen sowohl einer aktuellen Bestandserhebung als auch
langfristig dem Schutz des Menschen in seiner vom ihm selbst gestalteten Umwelt.
Für die Belastung des Menschen mit Schadstoffen in Haaren, Blut, Urin,
Muttermilch und ähnlichen Proben werden Durchschnittswerte ermittelt. Durch
wiederholte Untersuchungen von vergleichbaren Personengruppen in
regelmäßigen Zeitabständen lassen sich langfristig Trends
analysieren. Die Feststellung solcher Langzeittrends in der Belastung des Menschen ist
wichtig für die Entwicklung gesetzlicher Maßnahmen und deren
Erfolgskontrolle. Die Konzentrationen der zur Zeit als Schadstoffe bekannten
Substanzen werden laufend überwacht, so daß frühzeitig bestehende
Zusammenhänge zum Auftreten bestimmter Krankheiten erkennbar werden. Mit
der Langzeit-Lagerung der gesammelten Proben unter verläßlichen
Bedingungen wird die Voraussetzung geschaffen, auch zu irgendeinem späteren
Zeitpunkt weitere Untersuchungen durchzuführen oder aber nach Jahrzehnten
mit verbesserter Meßtechnik zu wiederholen. So werden sich
rückschauend Umweltschadstoffe nachweisen lassen, die zum Zeitpunkt der
Einlagerung noch nicht bekannt oder noch nicht analysierbar waren oder nicht
für bedeutsam gehalten wurden. Entwicklung: 1974
Voruntersuchungen zur Tiefkühllagerung von Human-Organproben an der
Universität Münster 1976-1983 Pilot- und Erprobungsphase zur
wissenschaftlichen und technischen Realisierung einer Umweltprobenbank 1984
Aufnahme des Dauerbetriebs der Umweltprobenbank für Human-Organproben
in Münster ab 1994 Ausbau zum Vollbetrieb durch in zeitlichem Abstand
gestaffelte Aufnahme der Probenahme in potentiell belasteten (z.B. Halle), gemischt
belasteten (z.B. Münster, Ulm) und wenig belasteten (z.B. Greifswald) Gebieten
der BRD Lager: Die Umweltprobenbank für
Human-Organproben Münster verfügt bereits seit 1980 über eine
damals einzigartige begehbare Tiefkühlkammer von 34 m³. Seit
1996 stehen mit einer zweiten Tiefkühlkammer insgesamt 65 m³
als zentrale Bank für die Langzeitlagerung von Humanproben zur
Verfügung. Hier lagern bei -80 bis -85° C bis heute
ca. 300.000 Einzelproben, und jedes Jahr kommen neue Proben hinzu. Für
die Aufrechterhaltung der Dauertieftemperatur in den Kühlkammern sorgt ein
abgestuftes mehrfach abgesichertes Kühlsystem: Es sind jeweils zwei
Kühlgeneratoren im Einsatz, wobei jeder allein in der Lage ist, die nötige
Temperatur zu halten. Die Generatoren können bei Ausfall der allgemeinen
Stromversorgung durch ein Notstromaggregat versorgt werden; sollte das
Notstromaggregat ausfallen, kann flüssiger Stickstoff von -196°C direkt
in die Kühlkammern eingeleitet werden. Analysen:Neben der Langzeitlagerung von Proben gehört
die Duchführung von Schadstoffanalysen beim Menschen zu den bedeutenden
Aufgaben der Umweltprobenbank für Human-Organproben. Mit modernen
Geräten können winzigste Spuren von Schadstoffen in Blut, Urin oder
Haaren nachgewiesen werden, so etwa Schwermetalle, Pestizide oder Holzschutzmittel.
Die Analysen müssen sehr genau sein, damit geringe Änderungen in der
Schadstoffbelastung des Menschen frühzeitig erkannt werden können. Ergebnisse: Die seit 1985 jährlich durchgeführte
Schadstoffbeobachtung beim Menschen konnte bei keinem der meßbaren
Schadstoffe eine Zunahme der Belastung feststellen. Einige Stoffe, so z.B. Arsen,
Cadmium und Quecksilber, blieben in ihren Konzentrationen nahezu
unverändert, andere zeigten eine deutliche Abnahme der Belastung, vor allem als
Folge gesetzlicher Regelungen und Verbote. Der mittlere Bleigehalt im Blut sank von
etwa 80 ng/ml (1984) innerhalb von ca. 15 Jahren auf 25 ng/ml
(1997/98) als direkte Folge des Benzin-bleigesetzes von 1971, zuletzt geändert
1994, das in den vergangenen Jahren zu einer stufenweisen Reduzierung des
Bleigehaltes im Ottomotor-Kraftstoff führte. Von 1985 bis 2000 ging die
Belastung des Menschen durch Hexachlorbenzol (HCB) und das Holzschutzmittel
Pentachlorphenol (PCP) um mehr als 90% zurück. Im einzelnen ist der mittlere
HCB-Gehalt im Blut von 2,5 auf 0,3 Nanogramm (milliardstel Gramm) pro
Milliliter (cm³) zurückgegangen; die PCP-Belastung im Mittel von 30 auf
nur noch 3 Nanogramm pro Milliliter Blut. Beide Stoffe sind chemisch
verwandt, schwer abbaubar und für den Menschen gesundheitsschädlich.
Sie sind inzwischen verboten. HCB wurde früher als Weichmacher und
Saatbeizmittel verwendet. PCP hat pilztötende Wirkungen und wurde vor allem
als Holzschutzmittel eingesetzt. Seit 1990 wurde die Beobachtung der allgemeinen
Schadstoffbelastung des Menschen auf die Gebiete der neuen Bundesländer
ausgeweitet und besonders intensiv untersucht. So wurden allein 1995 in Greifswald,
Magdeburg, Sauen (Kreis Beeskow) und zweimal in Halle (Saale) Probenahmetermine
durchgeführt und Blut, Haare und Urin auf Schadstoffe untersucht. Noch 1990
waren die Blutproben in den neuen Bundesländern erkennbar um rund 20%
stärker mit HCB und PCP belastet als die aus den alten Ländern. 1996/97
konnten bei vergleichenden Untersuchungen in den alten und neuen
Bundesländern für die gemessenen Schadstoffe - Schwermetalle,
Pentachlorphenol, Hexachlorbenzol und Polychlorierte Biphenyle (PCBs) -
keine Unterschiede in der Belastung mehr festgestellt werden. Offenbar haben in dieser
für Umweltfaktoren sehr kurzen Regelzeit" die erheblichen
Sanierungsmaßnahmen gut gegriffen. Weitere wissenschaftlich und praktisch
bedeutsame Erkenntnisse zum vorbeugenden Gesundheitsschutz haben sich aus dem
Betrieb der UPB-Hum ergeben: So ist die Belastung mit HCB und PCBs im Blut
geschlechtsspezifisch signifikant unterschiedlich; Frauen haben im Mittel um 30%
höhere HCB-Werte, dafür aber um 20% niedrigere PCB-Werte als
Männer. Die Belastung mit PCBs ist stark altersabhängig. So haben etwa
60jährige - im Westen wie im Osten - dreimal soviel Polychlorierte
Biphenyle im Blut wie Zwanzigjährige.
Beteiligte Wissenschaftler:
Veröffentlichungen: |
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Hans-Joachim Peter