Geschichte der Universität Münster
16. Jahrhundert bis 1900
1900 bis 1945
1945 bis zur Gegenwart
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16.
Jahrhundert bis 1900
16./17. Jahrhundert
Nach der Errichtung eines Jesuitenkollegs
1588, das zu Beginn des 17. Jahrhunderts bereits
philosophisch-theologische Vorlesungen anbot und damit die Grundlagen
für die Errichtung einer Universität legte, scheiterte die Gründung
einer Universität trotz päpstlicher und kaiserlicher Privilegien wohl
vor allem aus finanziellen Gründen.
1771
Der Kölner Erzbischofs Maximilian Friedrich stellt als
Bischof von Münster eine Urkunde über die Errichtung einer
münsterischen Landesuniversität mit vier Fakultäten aus.
Urkunde Erzbischofs Maximilian Friedrich vom 4.8.1771 (Staatsarchiv Münster, Foto: Universitätsarchiv, Fotosammlung 1 Nr. 548)
Für die Universität stellen Papst Clemens XIV. und Kaiser Joseph II. Privilegien aus.
1774
Es wird eine Juristische Fakultät errichtet; der medizinische Unterricht beginnt.
1780
Am 16. April wird die Universität durch Franz Freiherrn von Fürstenberg als "Vicecancellarius Universitatis" feierlich konstituiert. Die Immatrikulation der Studenten beginnt.
1805
Die Universität Münster wird zu einer preußischen
Landesuniversität für Westfalen ausgebaut.
1818
Am
18. Oktober werden die Juristische und die Medizinische Fakultät
aufgehoben. Die Universität wird in eine "Höhere Lehranstalt"
(Akademie) mit zwei Fakultäten umgewandelt.
Christoph Meyer, Professor für Jurisprudenz ab 1791, verließ 1819 nach Schließung der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät Münster (Radierung, Foto: Universitätsarchiv, Fotosammlung 1 Nr. 542)
1821 bis 1849
1821 wird in Münster die erste Chirurgenschule Preußens gegründet. Sie wird 1830 zur Medizinischen Lehranstalt erhoben, 1849 wegen fehlender Studierender aber wieder geschlossen.
1832
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen stellt am 12. November Statuten für die "Akademische Lehranstalt" als einer Ausbildungsstätte für katholische Geistliche "in der Provinz Westfalen" und für Gymnasiallehrer, mit Promotions- und Habilitationsrecht für die Theologische Fakultät aus.
1843
Der Name der Akademischen Lehranstalt wird in "Königlich Theologische und Philosophische Akademie" geändert.
1844
Der Philosophischen Fakultät der Akademie wird das Promotionsrecht verliehen. Ausgenommen sind hiervon Kandidaten der Naturwissenschaften.
1880
Die Akademie erhält am Domplatz ein neues Hauptgebäude.
1900 bis 1945
Nachdem die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
wieder errichtet ist, erhebt Kaiser Wilhelm II. am 1. Juli die Akademie
wieder in den Stand einer Universität.
Kabinettsordre zur Erhebung der
Akademie zur Universität durch Kaiser Wilhelm II. vom
1.7.1902
(Universitätsarchiv)
1905
Vier Frauen werden im Sommersemester 1905 als Gasthörerinnen
zugelassen.
1907
Durch Kgl. Kabinettsordre wird der
Universität die Bezeichnung "Westfälische Wilhelms-Universität"
verliehen.
Lesesaal der Universitätsbibliothek im Universitätshauptgebäude, 1906 (Universitätsarchiv, Fotosammlung 1 Nr. 426)
1907/08
Der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) wird gegründet.
1908
Im
August
erlaubt das preußische Wissenschaftsministerium per Erlass das
Studium von Frauen. Zum Wintersemester 1908/09 tragen sich die ersten 6
Studentinnen an der Universität Münster ein.
Hedwig Montag legte 1914 als erste
Frau an der Universität Münster das
Staatsexamen für das
höhere
Lehramt ab (Universitätsarchiv,
Fotosammlung 1 Nr. 1098 a)
1914-1918
1914 wird eine Evangelisch-Theologischen Fakultät
errichtet.
Viele Studierende und Dozenten leisten im 1. Weltkrieg
Kriegsdienst.
Kriegsnachrichten-Sammelstelle, 1917. 2. v. r.: Dr. Aloys Meister, o. Prof. für Geschichte und Universitätsarchivar (Universitätsarchiv, Fotosammlung NH Nr. 227)
1925
Schon seit 1902 können Studierende
pharmazeutisch-propädeutische, seit 1905 medizinisch-propädeutische
Lehrveranstaltungen besuchen. 1925 wird nun eine Medizinische Fakultät
eingerichtet.
Im gleichen Jahr erhält die Universität ein Institut für
Leibesübungen.
Sportheim auf dem
Universitätssportplatz, errichtet 1927 (Universitätsarchiv, Fotosammlung
1 Nr. 22)
1930
Die Universität feiert ihr 150-jähriges Bestehen.
150-Jahr-Feier der Universität, Aufmarsch der Chargen der münsterschen Korporationen vor dem Universitätshauptgebäude (Universitätsarchiv, Fotosammlung 1 Nr. 18)
1933-1945
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten
wird die Akademische Selbstverwaltung nach und nach eingeschränkt. Die
Zulassung der Studierenden wird beschränkt, der Senat entmachtet. Dem
Rektor, der vom Ministerium eingesetzt wird, sind als Führer der
Universität weitgehende Rechte eingeräumt. Jüdische und politisch
missliebige Studierende und Lehrende werden aus der Universität
gedrängt und verfolgt. Von den verfolgten Angehörigen der Universität
gelingt einigen die Emigration oder Flucht aus Deutschland. Einige, wie
der Pharmakologie Prof. Dr. Hermann Freund, werden im KZ umgebracht.
Die Universität Münster wird wie alle deutschen Universitäten
"gleichgeschaltet". Zumindest Teile von Forschung und Lehre unterliegen
der NS-Ideologie oder biedern sich dieser an.
Mahnmal
für aus "rassischen" oder politischen Gründen entlassene oder vom
Studium ausgeschlossene Angehörige der Universität Münster im Schloss.
Mit dem Kriegsbeginn werden viele männliche Studierende und Lehrende
eingezogen. Durch die massiven Bombenangriffe auf Münster werden auch
zahlreiche Universitätsgebäude zerstört. Infolge fortgeschrittener
Zerstörung der Einrichtungen wird der Universitätsbetrieb im WS 1944/45
eingestellt. Die Akademische Verwaltung und die Medizinische Fakultät
siedeln nach Bad Salzuflen über.
1945 bis zur Gegenwart
1945/46Am 3. November wird die Universität Münster mit einem
Festakt in der Stadthalle feierlich wiedereröffnet. In den
darauffolgenden Monaten nehmen die Fakultäten nach und nach ihre Arbeit
wieder auf. Sowohl Lehrende als auch Bewerber um einen Studienplatz
müssen sich einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Gleichwohl
können die meisten belasteten Hochschullehrer - zumindest nach einer
gewissen Zeit - ihre Karriere fortsetzen. Viele Studierende müssen
Aufbaudienst leisten, bevor sie das Studium aufnehmen können.
1948
Die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät wird in
eine Philosophische und eine Mathematisch-Naturwissenschaftliche
Fakultät getrennt.
1954
Mit einem Festakt am 31.7.1954, bei
dem auch Kultusminister Schütz anwesend ist, wird das im Krieg stark
zerstörte und nun wiederhergestellte Schloss als Hauptgebäude der
Universität eingeweiht.
Schloss während der Einweihungsfeier des Festsaals am 31.7.1954 (Universitätsarchiv, Fotosammlung 1 Nr. 96)
1956ff.
Nachdem zunächst die Kriegszerstörungen beseitigt werden,
beginnt eine Phase der regen Bautätigkeit. Ab 1956 werden nach und nach
das Naturwissenschaftliche Zentrum am Coesfelder Kreuz, das
Hörsaalgebäude am Hindenburgplatz, die Gebäude der
Wirtschaftwissenschaften und der Katholisch-Theologischen Fakultät, die
Mensa und verschiedene Studentenwohnheime gebaut. Im WS 1960/61
übersteigt die Zahl der Studierenden erstmals die 10.000-Marke. 10
Jahre später sind es mehr als 20.000 Studierende. Damit wird die
Universität Münster zu einer Massenuniversität. Mitte der 1960er Jahre
wird die Bautätigkeit nochmals verstärkt mit einem Ausbau der
Medizinischen Einrichtungen, des Naturwissenschaftlichen Zentrums und
dem Neubau der Universitätsbibliothek. Hinzu kommen diverse
Versorgungsbauten.
1970
Die bisherige staatliche Kuratorialverwaltung und die dem
Rektor unterstehende akademische Selbstverwaltung werden zu einer
einheitlichen Universitätsverwaltung zusammengefasst. Durch die neue
Verfassung erhält die Universität Fachbereiche.
Oswald von Fürstenberg
war der
letzte Kurator
der Universität Münster
und anschließend ihr
erster
Kanzler (Pressestelle)
1980
Die Abteilung Münster der Pädagogischen Hochschule
Westfalen-Lippe wird in die Universität Münster integriert.
Die
Universität feiert ihr 200jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass finden
zahlreiche Veranstaltungen statt.
1983
Das neue Zentralklinikum wird in Betrieb genommen.
Bettentürme der Universitätskliniken (Universitätsarchiv, Fotosammlung 1 Nr. 583)
1988 bis 1999
Im WS 1988/89 und in den Jahren 1996–1999 liegt die Zahl
der Studierenden bei über 45.000.
H1 im Hörsaalgebäude am
Hindenburgplatz, ca. 1980 (Foto von Egbert Heinrichs, eingereicht zum
Fotowettbewerb 1980, Universitätsarchiv, Fotosammlung FWB Nr. 137)
2001
Es kommt zu einer grundlegenden Neuordnung der
Hochschulmedizin. Die Medizinischen Einrichtungen werden als Anstalt
des öffentlichen Rechts verselbständigt.
2002
Eine neue
Universitätsverfassung, die die Verfassung von 1985 ersetzt, stärkt das
Rektorat.
2004
Die
"Abteilung Münster" der Hochschule für Musik Detmold wird als
Fachbereich 15 (Musikhochschule) in die Westfälische
Wilhelms-Universität integriert.
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