Die Mischung macht’s
Wie drei "Arbeitsgenerationen" in einer Abteilung – dem Baudezernat – die Universität wahrnehmen
von Norbert Robers und Peter Sauer
Wenn es in ein und derselben Abteilung Mitarbeiter gibt, die vor dem Übergang in den Ruhestand stehen und andere, die an ihrem Arbeitsplatz noch richtig Fuß fassen müssen, prallen Welten aufeinander. Ergänzen sich jahrelange Erfahrung und frischer Wind gut? Wie nehmen „alte Hasen“ die Universität im Vergleich zu „Neulingen“ wahr? Welche Konfliktpunkte gibt es? Norbert Robers und Peter Sauer sprachen mit drei Beschäftigten des Baudezernats – Reinhard Greshake (63), Dezernent, Cornelia Böckers (49) und Martina Stemberg (39) – über ihre (gemeinsamen) Erfahrungen an der Universität Münster.

Vom „Alten Hasen“ bis zum "Neuling" – Im Baudezernat sind viele Generationen vertreten: Reinhard Greshake,Martina Stemberg und Cornelia Böckers.
Foto: Peter Grewer
Seit 33 Jahren arbeiten Sie, Herr Greshake, für die Westfälische Wilhelms-Universität. Welche gravierenden Veränderungen haben Sie beobachtet?
Reinhard Greshake: 33 Jahre in drei oder vier Sätzen zusammenfassen – das ist natürlich sehr schwierig. Aber eine einschneidende Entwicklung ist sicher die, dass wir heute sehr viel intensiver mit dem Rektorat zusammenarbeiten. Und zwar in dem Sinne, dass wir auch kleinere Bauaufträge gemeinsam besprechen – das war früher eher die Ausnahme. Das hat, wie so oft, Vor- und Nachteile. Der Besprechungs- und Vorbereitungsaufwand ist größer, auf der anderen Seite haben wir als Verwaltung damit mehr Sicherheit und Rückhalt gegenüber den Nutzern. Eine weitere wichtige Veränderung ist, dass seit dem Jahr 2001 der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen Eigentümer fast aller universitären Gebäude ist – wir sind also nur noch Mieter. Dieser Wechsel zog natürlich viele organisatorische Veränderungen nach sich. Das hat sich aber mittlerweile eingespielt.
Mit anderen Worten: Sie kann nichts mehr überraschen, zudem kennen Sie die Universität wie kein Zweiter.
Reinhard Greshake: Das kann ich nicht abschließend beurteilen. Trotz meiner langen Dienstzeit bin ich sicher nicht in allen Räumen oder Gebäuden gewesen. Aber noch habe ich ja einige Monate …
Cornelia Böckers: Nur keine falsche Bescheidenheit, Herr Greshake – Sie sind in allen Fragen rund um die Gebäude der Ansprechpartner schlechthin, der auf nahezu alle Fragen eine Antwort hat.
REINHARD GRESHAKE
- Geboren 1948
- Fing am 2.5.1978 in der Rechtsabteilung an
- Begann 1995 seine Arbeit in der Bauabteilung
- Ist seit 2000 Leiter des Bau-Dezernats.
Sie sind in Ihren Funktionen vergleichsweise weit weg von der Universität als der „Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden“. Denkt man als Mitarbeiter des Baudezernats irgendwann nur noch in Kategorien wie etwa Betriebseinheiten, Laborflächen und Energiemanagement?
Cornelia Böckers: Nein. Natürlich ist unser Hauptziel die Bereitstellung der Flächen. Aber ich habe auch immer den eigentlichen Nutzungszweck im Hinterkopf, also die Forschung und Lehre.
Reinhard Greshake: Das stimmt, aber auch nur zum Teil: Denn auch die Forschung und Lehre bewerte ich vor allem anhand der Fragen: Wie werden die Professoren untergebracht? Welche Anforderungen haben sie – und wie kann ich sie erfüllen?
Martina Stemberg: Auf der anderen Seite erfahren wir durch die Absprachen mit den Professoren zumindest indirekt, wie die Forscher arbeiten, wie die Studenten lernen und wie die Räume passgenau gestaltet sein müssen.
Und wer von ihnen stellt die höchsten Anforderungen?
Reinhard Greshake: Sicherlich die Naturwissenschaftler, wenn beispielsweise Reinstluftlabore geschaffen werden müssen. Das ist aus mehreren Gründen eine Herausforderung: Die Professoren wollen für ihre Institute nur das Beste, wir müssen die finanziellen Mittel loseisen und den Eigentümer der Gebäude, den BLB, von den Maßnahmen überzeugen. Das ist immer ein spannendes Unterfangen.
CORNELIA BÖCKERS
- Geboren 1962
- Zuständig für: Energiewirtschaft, Budgetüberwachung, Rechnungswesen und Kostenrechnung
- Seit 1992 an der WWU beschäftigt
- im Dezernat 4.2. seit 2000
Sie arbeiten seit Juni 2010 für die WWU, Frau Stemberg. Finden Sie die Arbeit genauso spannend wie Herr Greshake – oder hatten Sie andere Erwartungen, nachdem Sie zuvor die Universität Münster nur von außen wahrgenommen hatten?
Martina Stemberg: Natürlich war mir bewusst, dass die WWU ein eminent wichtiger Bestandteil der Stadt und der Region ist. Aber diese Bedeutung habe ich fast ausschließlich auf die Universität als Forschungs- und Lehranstalt bezogen. Jetzt weiß ich, dass die Universität Münster zudem der größte Arbeitgeber in Münster ist, dass mehrere Dutzend Auszubildende geschult werden – und dass es eine sehr, sehr große Bauabteilung gibt. Mit anderen Worten: Jetzt verstehe ich, was es heißt, wenn jemand sagt, dass die Universität eine Stadt mit rund 43000 Einwohnern ist.
Aber letzteres müsste für Sie doch ein vertrautes Feld sein, oder?
Martina Stemberg: Das stimmt, schließlich habe ich sechs Jahre in einem Architekturbüro und danach im städtischen Amt für Immobilienmanagement gearbeitet. In jedem Fall war die Ausgangslage eine andere: Im Architekturbüro gab es einen Bauherren und einen Planungsauftrag – wir haben genau das umgesetzt, was die Chefin entschieden hat. Bei der Stadt Münster hatte ich mehr Verantwortung: Ich habe mit meinem Abteilungsleiter die einzelnen Schritte abgesprochen und schließlich Architekten beauftragt. An der WWU wiederum setzen wir beziehungsweise das Rektorat uns Ziele und entwickeln eigene Wünsche. Dies gilt es allerdings mit dem BLB als Bauherrn abzustimmen. Ich empfinde das als wirklich spannende Aufgabe wahr.
Herr Greshake, Sie haben viele junge Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen sehen. Bringt jeder neue Mitarbeiter neue Ideen mit – oder ist das immer das Gleiche?
Reinhard Greshake: Die meisten neuen Mitarbeiter sorgen für wichtige und belebende Impulse. Früher war das meist anders, als sich die Bauabteilung noch weitgehend aus der klassischen Verwaltung rekrutierte. Ich selbst bin auch ein derartiges Relikt, ein Verwaltungsmitarbeiter, der seinerzeit aus der Rechtsabteilung in die Bauabteilung wechselte. Mittlerweile haben wir hier eine gute Mischung aus Verwaltungs-Experten und beispielsweise Architekten und Ingenieure. Reichlich Veränderungen gab es natürlich in allen Fragen der Medien und der Technik. Aber wir Mitarbeiter haben uns immer gegenseitig unterstützt, das war sehr hilfreich. Ich habe nie einen EDV– oder Internet-Fortbildungskurs machen müssen. Alles was ich für meine Arbeit brauchte, habe ich mir selbst beigebracht.
Haben auch Sie als "Neuling" den Eindruck, dass die technischen Voraussetzungen an der Universität Münster auf dem neuesten Stand sind, Frau Stemberg?
Martina Stemberg: Absolut, ich kann wirklich nicht klagen. Was ich mir noch wünschen würde, wäre mehr spezifische Fachliteratur, Gesetzestexte, ein Archiv oder eine Bibliothek mit baufachspezifischem Wissen.
MARTINA STEMBERG
- Geboren 1972
- Koordination sämtlicher Bau- und Rahmenplanangelegenheiten und Durchführung von Bauunterhaltungsmaßnahmen, Baumanagement, Hausverwaltungs- und Hausmeisterangelegenheiten
- Seit Juni 2010 im Amt.
Sie alle fühlen sich also wohl an der Universität. Und doch ist "Job-Hopping", also ein häufiger Stellenwechsel, heutzutage oft der Normalfall. Hatten Sie zwischendurch nie den Wunsch, sich zu verändern, Herr Greshake?
Reinhard Greshake: Nein, ich habe nie allein meine Karriere im Blick gehabt. Die Universität ist mir sehr ans Herz gewachsen, ich mache meine Arbeit sehr gerne. Weil es spannende Aufgaben sind, weil ich mitentscheiden und viele Veränderungen beeinflussen darf. Aber auch meine Familie ist mir sehr wichtig – wichtiger als alles andere. Selbstverständlich mache ich auch Überstunden, aber nur in einem gewissen Rahmen. Die Universität hat es mir ermöglicht, genau diese Mischung hinzubekommen.
Martina Stemberg: Für mich gab es andere Voraussetzungen. Nach sechs bis sieben Jahren beim gleichen Architekturbüro musste ich mich entscheiden: Wenn ich geblieben wäre, hätte ich möglicherweise nirgendwo anders mehr eine Chance bekommen. Aber ich spürte, dass ich etwas Neues brauche – der Sprung zur Universität Münster war und ist für mich eine tolle Chance. Und es war eine gute Entscheidung, wie ich mittlerweile weiß: Ich fühle mich pudelwohl.
Auf der anderen Seite hat das Tempo der Veränderungen zugenommen, immer mehr Innovationen, immer mehr Projekte.
Reinhard Greshake: Das stimmt, aber ich bin glücklicherweise nicht herzinfarktgefährdet. Wir sind beispielsweise wieder in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative. Was allein dieses Projekt an Aufwand mit sich bringt, ist enorm. Aber natürlich hoffen wir alle, dass die Universität Münster erfolgreich abschneiden wird. In diesem Fall käme zwar erneut sehr viel Arbeit auf uns zu – aber die Universität hätte damit die Chance, sich weiterzuentwickeln. Im Übrigen habe ich, was dienstliche Dinge betrifft, ein dickes Fell. Ich kann vieles an mir abprallen lassen. Und ich habe andere Interessen, die ich als Ausgleich auslebe.
Cornelia Böckers: Das geht mir ähnlich. Aber es ist nicht zu bestreiten, dass die Arbeits-Geschwindigkeit insgesamt zugenommen hat. Das hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Man lernt, den Druck rauszunehmen, sich zu strukturieren und zu erkennen, dass sich nicht alle Aufgaben gleichzeitig erledigen lassen. Zudem ist es sehr wichtig, in einem guten Team mitarbeiten zu können – und das ist bei uns der Fall.
Apropos Herzinfarkt: Viele Menschen bangen um ihre Arbeitsplätze. Empfinden Sie es beruhigend, im Öffentlichen Dienst zu arbeiten?
Cornelia Böckers: Selbstverständlich. Man liest und hört natürlich, was um einen herum passiert und wie schnell sich vieles entwickelt. Ich denke oft daran, dass man regelrecht dankbar dafür sein muss, einen vergleichsweise sicheren Arbeitsplatz zu haben. Und wenn es dann noch eine so interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit an einer solch großen Universität ist – umso besser.
Martina Stemberg: Mir geht es ähnlich: Ich genieße die Sicherheit und innere Ruhe.
Mit anderen Worten: Sie würden alles genauso machen, wenn Sie an Ihre Anfänge zurückdenken?
Reinhard Greshake: Ja, allein wegen der Familienfreundlichkeit und wegen des guten Arbeitsklimas an der Universität. Ich habe das Kollegium immer als sehr angenehm empfunden. Ich kann mich an keine großen Auseinandersetzungen erinnern. Das sollten wir uns auch für die Zukunft bewahren. Nicht nur innerhalb der Verwaltung, sondern in der gesamten Universität.
Martina Stemberg: Ein uneingeschränktes Ja! Ich bin an der Universität gut aufgenommen worden. Alle Kollegen haben mir bei den ersten Schritten geholfen und standen und stehen mir mit Rat und Tat zur Seite. Wir arbeiten viel – aber wir lachen auch viel. Gleichzeitig genieße ich die Vielfalt der täglichen Arbeit. Ein Haus für Frösche und gleichzeitig eine Turnhalle zur Bibliothek umbauen zu können - das bekommt man in keinem Architekturbüro geboten!
Cornelia Böckers: Mit geht es genauso. Ich möchte aber noch auf andere Aspekte hinweisen. Die WWU hat ein sehr komfortables Gleitzeitmodell, die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten sind hervorragend. Ich habe beispielsweise nachträglich eine Ausbildung zur Verwaltungsfachwirtin absolviert. Das Klima ist angenehm – doch, ich würde immer wieder hier anfangen.
Gibt es denn nichts, was Sie, Herr Greshake, aus der „guten alten Zeit“ vermissen?
Reinhard Greshake:
Doch, aber nur eine Kleinigkeit: Die Dezernenten trafen sich früher immer am Freitagnachmittag beim Kanzler. Warum? Sie haben den Wochenschluss stets mit einem Gläschen Sherry begossen. Dafür ist es allerdings heute zu hektisch. Und Alkohol im Dienst, na ja ...
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